Die Organuhr: Warum deine Leber nachts mehr arbeitet als du
- 8. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Was ist die Organuhr überhaupt?
Schon mal von der Organuhr gehört? Nein? Da seid ihr definitiv nicht alleine. Ich muss gestehen: Bis vor Kurzem hatte ich davon auch noch keinen blassen Schimmer. Aber zum Glück lassen sich Wissenslücken heutzutage ziemlich schnell schließen und genau das machen wir jetzt gemeinsam.
Die sogenannte Organuhr stammt aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Dahinter steckt die Idee, dass jedes unserer Organe zu einer bestimmten Tageszeit besonders aktiv ist. Genauer gesagt: Jedem der zwölf Organe werden jeweils zwei Stunden zugeordnet, in denen besonders viel Energie, das sogenannte Qi, durch dieses Organ fließt. Zwölf Stunden später befindet es sich dann im Ruhemodus. Eigentlich ganz fair geregelt.
In der TCM gilt der Mensch als Einheit aus Körper, Geist und Seele. Das Qi fließt dabei über sogenannte Meridiane durch den Körper, unsichtbare Energiebahnen, die jeweils einem Organ zugeordnet sind. Klingt erstmal ein bisschen esoterisch, aber irgendwie auch faszinierend, oder?

Nachtschicht im Körper
Besonders spannend wird es nachts. Während wir schlafen oder nachts um 2 Uhr TikToks schauen, laufen im Körper angeblich echte Nachtschichten.
Zwischen 21 und 23 Uhr übernimmt der sogenannte Dreifach Erwärmer das Kommando. Keine Sorge, ich musste den Begriff auch erst googeln. Laut TCM handelt es sich dabei weniger um ein klassisches Organ, sondern eher um ein System, das alle Energiekreisläufe miteinander verbindet. Übersetzt heißt das für uns: Der Körper fährt langsam runter, Puls und Blutdruck sinken, Zeit zum Entspannen.
Von 23 bis 1 Uhr ist die Gallenblase aktiv. Sie hilft unter anderem bei der Verarbeitung von fettreichem Essen und unterstützt den Körper beim Entgiften. Genau deshalb sind schwere Mahlzeiten spät am Abend ungefähr so hilfreich wie ein Espresso vorm Einschlafen.
Zwischen 1 und 3 Uhr läuft die Leber auf Hochtouren. Sie kümmert sich um die Entgiftung des Körpers und ja, Alkohol macht ihr dabei leider extra viel Arbeit. Menschen mit Leberproblemen wachen laut TCM übrigens häufig genau in dieser Zeit auf.
Von 3 bis 5 Uhr steht die Lunge im Mittelpunkt. Frische Luft soll jetzt besonders guttun. Vielleicht hatte Oma mit dem „Schlaf bei offenem Fenster!“ also doch nicht ganz unrecht.
Und zwischen 5 und 7 Uhr meldet sich der Dickdarm. Der Körper wacht langsam auf und startet seine Verdauungsarbeit. Ein Glas warmes Wasser am Morgen soll den Darm dabei unterstützen. Klingt unspektakulär, aber vielleicht ist genau das der Wellness Hack, den wir alle ignoriert haben.
Von 7 bis 9 Uhr ist schließlich der Magen dran. Laut TCM der perfekte Zeitpunkt für ein warmes Frühstück wie Porridge oder Hirsebrei mit Obst. Ja, der Körper hätte offenbar lieber warmen Brei statt hektisch heruntergeschlungenem Kaffee to go.
Wie hilft die Organuhr beim Schlafen?
Die Idee dahinter: Wenn wir unsere Abendroutine und Ernährung an die Organuhr anpassen, kann das beim Ein und Durchschlafen helfen. Entspannung am Abend, leichte Mahlzeiten und weniger Alkohol unterstützen den Körper dabei, nachts besser zu regenerieren.
Besonders Alkohol gilt zwischen 23 und 3 Uhr als absoluter Schlafkiller. Während Gallenblase und Leber eigentlich mit Entgiftung beschäftigt sind, bekommen sie dadurch unfreiwillig Überstunden aufgebrummt. Stattdessen empfiehlt die TCM eher Dinge wie grünen Tee, Grapefruit oder Knoblauch. Zugegeben: Knoblauch vorm Schlafengehen klingt sozial mutig, aber gesundheitlich wohl sinnvoll.
Und falls ihr nachts regelmäßig hustend aufwacht, könnte laut Organuhr die Lunge etwas Unterstützung brauchen. Frische Luft, ausreichend trinken und weniger Tabak können helfen. Oder eben einfach die Tatsache akzeptieren, dass der Körper nachts manchmal seine ganz eigene Agenda hat.
Und was ist mit der Zeitumstellung?
Leider gibt es jedes halbe Jahr einen kleinen Störenfried, der unsere innere Uhr ziemlich durcheinanderbringen kann: die Zeitumstellung. Um den Körper dabei zu unterstützen, kann es helfen, Routinen wie Schlafenszeiten oder Mahlzeiten langsam anzupassen.
Außerdem darf man nicht vergessen: Die Organuhr ist kein exakter Fahrplan. Jeder Körper funktioniert anders und nicht jedes Organ arbeitet punktgenau im Zwei Stunden Takt. Trotzdem ist die Vorstellung irgendwie beruhigend, dass unser Körper nachts fleißig arbeitet, während wir schlafen.
Oder zumindest versuchen zu schlafen.



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